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Imkermeister Thomas Radetzki

Eine kurze Vorstellung meinerseits...

Ich wuchs im Ruhrgebiet auf, wo ich auf einem naturwissenschaftlichen Gymnasium mein Abitur machte. Im Elternhaus gab es keinen Honig, nur Marmelade. Bienen konnte ich nicht von Wespen unterscheiden. Als ich noch in der Oberstufe war, traf ich durch eigentümliche Umstände in der Eifel auf einen Imker. Ich fragte ihn aus; wir saßen zwei Stunden auf seinem Bänkchen am Bienenstand. Mir wurde in diesem Moment völlig klar: Ich werde Imker!


Sogleich habe ich mir eine Praktikumsstelle in einem bienenwissenschaftlichen Institut gesucht und von dort meine ersten Bienen mitgenommen. Alle erreichbaren Kurse wurden von mir besucht und recht bald 25 Völker betreut. In den folgenden Jahren begleiteten mich die Bienen auf den Stationen meines Weges. Es waren meist Pioniersituationen von Initiativen und Einrichtungen die ich wesentlich mitgestalte. So eine Lebens- und Arbeitsgemeinschaft mit Obdachlosen, Arbeitslosen und Strafentlassenen am Niederrhein. Danach machte ich eine Ausbildung als Werkstattleiter für Behindertenwerkstätten. Es folgte wohnen und arbeiten mit Behinderten in einer Dorfgemeinschaft in der Nähe von Würzburg. Dort hatte ich endlich Gelegenheit meinem Wunsch zu folgen und in der Landwirtschaft zu arbeiten. Meine Imkerei nahm ich dorthin mit. Neben der Bienenhaltung, die auf dem Demeter Betrieb gern gesehen war, habe ich die Herde gemolken, alle Arbeiten in der Außenwirtschaft gemacht und war für die Herstellung und Anwendung der biologisch-dynamischen Präparate verantwortlich. Bevor ich dann an die Fischermühle ging, mussten noch drei Semester Studium an einem Priesterseminar sein - auch das war schon einige Zeit auf der Agenda...

1985 wurde dann aber klar: ich konzentriere mich ganz auf die Bienen. Ich zog ins Schwabenland an die Fischermühle nach Rosenfeld. Dort habe ich dreißig Jahre als geschäftsführender Vorstand den Verein Mellifera e.V.; die Vereinigung für wesengemäße Bienenhaltung, geleitet. Die ersten fünfzehn Jahre waren gänzlich von täglicher praktischer Arbeit mit den rund 150 Völkern der Lehr- und Versuchsimkerei Fischermühle geprägt. Ich machte alsbald die Prüfung als Imkermeister und wurde wenig später selbst in der Prüfungskommission beim Regierungspräsidium Stuttgart. Mancherlei Fragestellungen wurden untersucht und die Grundlagen für viele, heute verbreitete imkerliche Maßnahmen gelegt. Dazu gehören insbesondere das Imkern im Naturwabenbau, die Vermehrung der Völker auf Grundlage des Schwarmtriebes und die Entwicklung geeigneter Bienenwohnungen für Betriebsweisen in denen dies ungesetzt wird. Die später erstellten Richtlinien für Demeter Bienenhaltung basieren wesentlich auf diesem Erfahrungsschatz.

Im Laufe der Zeit gewann unsere Arbeit immer mehr Interesse und Akzeptanz in der Imkerschaft. Dabei hat die Entwicklung neuer alternativer Methoden für die Behandlung der Varroa Milbe eine große Rolle gespielt. Nach einer Erstveröffentlichung von Forschungsergebnissen aus der Imkerei Fischermühle zu unserem sogenannten Oxalsäure-Sprühverfahren, folgten einige Jahre intensiver weiterer Forschungen auf diesem Feld. In dieser Zeit wurde ich Mitglied der Deutschen Arbeitsgemeinschaft der Bienenwissenschaftlichen Institute und brachte unsere Forschungsergebnisse regelmäßig in einer europäischen bienenwissenschaftlichen Arbeitsgruppe ein. In Politik und Verbänden gewann Mellifera e.V. breiteren Einfluss durch manche Veranstaltungen und erfolgreiche Projekte in Verbindung mit einer guten Öffentlichkeitsarbeit. So zuerst die Bienenstockkäfer-Kampagne, dann das Netzwerk Blühende Landschaft, das Bündnis zum Schutz der Bienen, oder zuletzt das ebenfalls bundesweite Projekt Bienen machen Schule, die von mir initiert wurden und die ich auch heute noch begleite. Entsprechend der Vielseitigkeit und Innovationskraft des Vereins Mellifera e.V. lautet der Untertitel zum Vereinsnamen inzwischen: ... Initiativen für Biene-Mensch-Natur

Und da mich Fragen der Unternehmensentwicklung von je her beschäftigen, bin ich damit auch im Deutschen Rednerlexikon gelandet.

Interview mit Thomas Radetzki, Presseforum Bio-Branche, PDF 800KB
Laudatio zur Verleihung des Apisticus 2011
Verleihung des Förderpreis Ökolandbau auf der Internationalen Grünen Woche durch Ministerin Aigner 2013
Im Oktober 2013 Verleihung des "Goldenen Stachels" durch den Deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbund (DBIB).

Die Dynamik der Entwicklungen für, mit und um die Bienen haben mich veranlasst die Gründung der Aurelia Stiftung mit dem Motto "Es lebe die Biene!" anzustreben, was Ende 2015 mit 7 Stiftern glückte. Um frei für diese neue Aufgabe zu sein und einen Generationswechsel bei Mellifera e.V. zu ermöglichen, habe ich sämtliche Aufgaben bei dem Verein niedergelegt und bin nun seit 2016 in Berlin als geschäftsführender Vorstand der Aurelia Stiftung tätig. Die Konzentration auf diese Aufgabe erscheint schon nach kurzer Zeit im Rückblick als ein organischer Entwicklungsschritt.

Ich nenne die Ereignisse und Ehrungen in Dankbarkeit für die Würdigung der jahrelangen Arbeit, die ich nicht alleine oder gar nur aus mir heraus, sondern erfolgreich mit Freunden und Mitstreitern in Anbetracht verschiedener Herausforderungen tun durfte. Mich beglückt es darauf zu schauen. Und ich mag anmerken:
Wir halten Bienen weil es so wunderbar ist mit ihnen - nicht wegen der Probleme...
Und so bin ich froh neben den Veranstaltungen, Kursen und der ganzen Netzwerkarbeit meinen eigenen Bienenstand zu haben. Dort ist mein wichtigstes neues Betriebsmittel eine Bank; zum drauf sitzen, einfach nur schauen und mit meinen Bienen sein. Das habe ich mir immer sehr gewünscht!